14 Mai 2008

CD-Kritik: Fotos - Fotos

Man sieht sich versucht, zu Beginn erst einmal Skepsis walten zu lassen. Ein Debütalbum einer jungen aufstrebenden Band hat man da also vor sich liegen, und dessen Opener wurde betitelt mit den Worten: „Komm zurück“. Liebeskummersongs aber gibt es auf dem deutschen und internationalen Markt doch nun wirklich genug. Und was eine nicht näher zu erwähnende Band mit gewisser Affinität zu Hotels in Tokio dabei regelmäßig an dubiosen Textwolken auf die Teenie-Welt loslässt, das hat man aufgrund Dauerbeschallung im Radio schon ein paar Mal zu oft feststellen müssen. „Komm und rette mich, ich erfriere innerlich“. Bla Blubb. Da lehnt man lieber dankbar ab. Es soll sich jedoch auszahlen, wenn man, dem anfänglichen Reflex nicht folgend, eben doch mal probeweise reinhört in den ersten Track und plötzlich konfrontiert wird mit einem vorbildlich stark nach vorne treibenden Song, ohne jegliche Kitschuntermalung, sondern mittendrin im Leben: „Ich hab’ gedacht dass dieses Jahr etwas Neues passiert, aber was hat ein Verlierer wenn er nicht mal mehr verliert?“ Ein wunderbarer Einstieg auch, um die Stimme von Leadsänger Tom Heßler kennen zu lernen. „Energisch“ ist hier eindeutig das richtige Wort, ein gutes Adjektiv wäre außerdem auch „kredibel“.

Ruhepausen scheinen nicht eingeplant. Das stark desillusioniert vorgetragene „So fremd“ über zwei einst Verliebte, die inzwischen nur noch müde sind, „sie fühlen nichts mehr, außer der Leere, die fühlen sie sehr“, macht dies deutlich. Das mag sich in der Wortwahl ganz furchtbar banal anhören, alltäglich sogar, nicht gerade auf Poesie versteift. Aber wenn man diese Band erst einmal dazu aufspielen hört, mit rohem und dennoch auf höchstem Niveau vorgetragenem Sound sowie einem Sänger, der derart entfesselt die Frontsau gibt, dass auch „Madsen“ mit ihrer Kreisch-Single „Nachtbaden“ einpacken können; dann versteht man, dass eben diese Wortwahl wohl das einzig Richtige ist. Der Kurs wird gehalten. „Ich bin für dich da, besser das als weniger“ heißt es in „Ich bin für dich da“. Man will auch aufgrund der textlich hervorragenden Strophen spätestens ab diesem Zeitpunkt nicht mehr daran zweifeln: Was diese Band singt, das meint sie auch.

Wenn man das Album schon ein paar mal gehört hat, mag einem bei Track 4 eventuell das erste Mal dämmern, dass die vier Feder führenden Jungs da allen Ernstes schon vier Songs lang über nichts anderes singen als über Herzschmerz, Beziehungskram und damit zusammenhängend eben auch über Liebes- und gleichzeitig Lebenskummer; und dass einem das Ganze trotzdem noch nicht langweilig geworden ist. Das wird sich auch in „Viele“ nicht ändern, die musikalische Untermalung jedoch ändert sich sehr wohl. Zum ersten Mal kehrt ein wenig Ruhe ein, während Hessler über Freund- und Liebschaften in seinem bisherigen Leben reflektiert und dabei Sehnsucht greifbar macht: „Ich hab’ dich überall gesucht, weil ich nicht mehr weiter weiß, und du über allem stehst, was ich war.“ Gen Ende sind die Instrumente dann doch wieder verzerrt, stehen für dreißig Sekunden ganz allein im Raum und scheinen dabei fast ein wenig ehrfürchtig, in Erwartung dessen was da gleich kommen wird. Denn was da gleicht kommt, das ist ein Meisterstück.

Mit „Giganten“ hätten Fotos einen besseren Songtitel nicht wählen können. Dieser Song ist ein Gigant. Zunächst unscheinbar leise beginnend mündet er kurz darauf in einen einzigen riesigen Bastard von Refrain, den man als solchen aufgrund seiner Länge schon kaum mehr bezeichnen möchte und der textlich mal eben alles an die Wand stellt, was da noch so kreuchen und fleuchen möchte. Es ist mir selten ein Song untergekommen, der zielstrebiger und eleganter Lebensfreude fühlbar macht. Ein schöneres Plädoyer für das Ideal der wahren und alles überdauernden Freundschaft muss auf dem deutschen Musikmarkt erst noch gefunden werden. „Ich will wissen wie es geht, wohin das Leben dich führt, will nicht nur hören was du hast, sondern was dich berührt.“ Wollte ich diesem Lied ansatzweise gerecht werden, ich müsste diesen Text hier mit Kniefall schreiben. „So müssen sich doch die Giganten fühlen.“ Bildsprache-Olymp, here we go.

Zeitgleich ist „Giganten“ aber auch der ruhende Pol in einem Becken voll äußerster Emotionen. „Du löst Dich auf“ hat mit dem vorhergehenden Mantra über das äußerste Glück nicht mehr viel zu tun, es geht zurück auf die Schattenseite. Und Hessler kriegt somit erneute Gelegenheit dazu, seine Stimme unverwechselbar übersteuert klingen zu lassen, wenn er seelischer Kälte mit den Worten: „Und alle um dich rum können nichts für dich tun, sie lieben dich hassen dich, doch du bist gegen beides immun“ den Kampf ansagt. Das Gegenmittel wird verabreicht in einem einzigen Sprechgesang-Marathon namens „Wiederhole deinen Rhythmus“: „Also halt dich bei der Stange, es gibt Dinge die sind Muss, halt nicht an, bleib nicht stehen, wiederhole deinen Rhythmus“. Der Name ist erneut Programm. Es wird nicht angehalten. Die Gitarre treibt in einem einzigen Staccato an und das Schlagzeug peitscht trocken während die alles untermalende Basslinie eh keinen Zwischenstopp möglich erscheinen lässt.

„Na schön, du bist abgebrannt, erledigt, wohnst in vier Wänden aus Angst, kein Trick wird noch was ändern, knietief im Flitter und Ramsch“ wird einem schließlich in „Glücklich Eigentlich“ an den Kopf geworfen. Gesang ist das dann schon nicht mehr, es ist auch kein Rap. Schreien ist es schon eher. Kein Urschrei, kein Schrei der schmerzt. Sondern einfach nur ein Sänger, der in einer Bridge ohne Rücksicht auf wohlklingende Melodie ausbricht aus dem eigenen Song und feststellt dass manchmal einfach alles scheisse ist. Wunderbar das anfänglich vorgetragene „Na schön“, dass die folgenden Zeilen nicht etwa klingen lässt wie ein Loch aus dem es kein Entkommen mehr gibt, sondern viel eher nach Mutmache, frei nach dem Motto: „Dann suchen wir doch jetzt mal einen Weg hier raus, was? Wär ja Dreck wenn wir es einfach so bleiben lassen wie es ist.“ Der vorletzte Track des Albums ist ein einziger Orkan, und es schmerzt mich das so schreiben zu müssen, da ich weiß wie sehr diese Redewendung inzwischen bereits Standard in CD-Rezensionen sein mag. Und weil ich nicht aufhören kann, zu erahnen wie viel besser die „Fotos“ es wahrscheinlich hinbekommen hätten, den Charakter ihres Songs in Worte zu fassen.

Wenn „Glücklich Eigentlich“ aber ein Orkan ist, dann ist „Katharina“ ein Kissen. „Ich nehm’ meinen Lauf im Warten, darauf dass jemand kommt um mich zu halten“ wird hier mit getragenen Instrumenten im Hintergrund intoniert und wenn Hessler das so singt wie er es singt, dann hört sich Warten auf einmal gar nicht mehr an wie eine beschissene Pflicht, sondern drückt viel eher ganz viel Zuversicht aus. „Wir verschwinden im ersten Licht des Morgens, du gehst deiner Wege.“ Hier ruht jemand ganz in sich selbst. Und macht dabei außerdem deutlich, wie wenig depressiv dieses Debütalbum trotz seiner teilweise trostlos wirkenden Thematik eigentlich ist. In allem, was diese vier Jungs, mit so gar nicht nach hoffnungsvollen Stars klingenden Namen wie Thomas, Deniz, Frieder und Beppo ausgestattet, tun, bleibt Resignation meilenweit außen vor.

Nicht das Album an sich also ist traurig, sondern vielmehr seine Geschichte. Denn auch wenn es bereits im Jahr 2006 veröffentlicht worden ist, muss es doch bis zum heutigen Tage immer noch als ein absoluter Geheimtip herhalten. In den Charts lief die Musik, wenn denn überhaupt, nur unter ferner liefen. Das ist himmelschreiend ungerecht. Dabei schliesse ich mich selber nicht aus, habe doch auch ich diese Musik erst kürzlich kennen und schätzen gelernt. Ein wenig also ist diese Rezension vielleicht auch meine Katharsis. Ein zweites Album übrigens wurde März 2008 veröffentlicht, vielleicht gar ein wenig ironisch mit „Nach dem Goldrausch“ betitelt. Jener Goldrausch also, der den Fotos, so wünscht man sich das in der Retrospektive, für ihr erstes Album ohne Zweifel zugestanden hätte und leider ausgeblieben ist? Man wird sie selber fragen müssen.

„Fotos“, soviel sei jedenfalls abschließend der Deutlichkeit halber ein weiteres Mal mitgeteilt, ist schlichtweg das beste Fotoalbum dass käuflich erworben werden kann. Und das schreibe ich bei weitem nicht nur des schönen Wortspiels wegen, sondern es ist mein voller Ernst. Es haben sich in meinem Kopf nämlich schon lange nicht mehr so klare Bilder geformt wie beim Hören dieser erstklassig produzierten und vorgetragenen Musik, die in Deutschland nun aber mal wirklich lange genug ignoriert worden ist.

Kauf dir diese CD. „Und wenn du willst, lass nicht mehr los.“

11 Mai 2008

Knurru's gute Stube 08: Raus

Knurru wagt sich ans Tageslicht, liefert Landschaftsaufnahmen, sieht fluchende Golfer, tritt den Beweis für seinen äußerst grünen Daumen an, wandelt auf Bernhard Grzimek's Spuren, redet ausnahmsweise mal gar nicht über Medien, erweist sich stattdessen als Sittenwächter, sagt der Freikörperkultur folgerichtig entschlossen den Kampf an und schreckt dabei auch vor Konfrontationen nicht zurück, macht außerdem zwischendrin mal einen echt schlechten Witz und danach, weil es so schön war, eventuell gleich noch einen.



Wen das alles nicht abschreckt, der findet ältere Videocasts hier.

09 Mai 2008

Warten auf Godot

Irgendwann, bis dahin werden noch viele Jahre vergehen, erinnert sich vielleicht irgendein ganz unbedeutender Politiker daran, dass es in diesem Land schon einmal so etwas gab wie Erziehung. Eltern, die ihren Kindern erzählten, was recht ist und was nicht. Erziehungsberechtigte, die ihre Sprösslinge auf dem richtigen Weg in die Adoleszenz führten. Dabei sich entwickelnde Jugendliche, die in dieser Welt wissen was sich gehört. Die also auch vernünftig umgehen können mit den Medien, die sie heutzutage überall umgeben. Mit einem Spiel wie "GTA IV" zum Beispiel auch, dass mal eben den besten Start hingelegt hat, den je ein einzelnes Medium für sich beanspruchen konnte. Kein Film, keine CD; nichts bisher Dagewesenes kommt dagegen an. In den Medien führte dies sogar dazu, dass bei den Tagesthemen ein Bericht über das Spiel lief, der nicht mit einem einzigen Wort anklagend war; ja, ohne Scheiss, da fiel nicht mal mehr das Wort "Killerspiel", obwohl Kriminalität und Gewalt in Liberty City nun einmal eindeutige Kernelemente sind.

Aber die Tagesthemen haben eventuell etwas verstanden, dass unfassbar viele Politiker bisher immer noch nicht in ihren Kopf reinkriegen wollen. "GTA IV" ist ein Spiel nur für Erwachsene. Die Gewalt und Kriminalität sind eingebettet in eine intelligente und filmreife Story, in deren Verlauf man moralische Dilemmas zu durchstehen hat und als zur Reflektion fähiger Mensch nicht eine Sekunde lang vergisst, dass es eben Entertainment ist; und dass man auch überhaupt kein Interesse daran hat, sich in der Realität in den Hauptcharakter Niko Bellic hineinzuversetzen. Er durchlebt in Liberty City die Hölle. Und ein Held ist er sicher nicht. Ein vielschichtiges Spiel ist das also, und es besitzt keine Jugendfreigabe. Zurecht. Man sollte über das Leben Bescheid wissen und in seinen Ansichten gefestigt sein, um dieses weltweit bejubelte Erlebnis anzugehen. Und ein Erlebnis ist es allemal, denn auch wenn ich selber noch nicht Hand anlegen durfte: Liberty City ist eine sehr beeindruckend gestaltete Stadt, die dermassen vollgepackt ist mit liebevollen Details und Seitenhieben auf die Realität, dass es eine einzige Freude ist. An allen Ecken und Enden des Internets kann man es lesen: Viele verbringen inzwischen einen Großteil der Zeit damit, sich einfach nur in der Größe dieser virtuellen Stadt zu verlieren, zu bewundern wie dort, in einer Konsole, Leben stattfindet dass auf einem derart hohen Niveau bisher noch nie im Medium der Computerspiele vorzufinden war. Wenn man sich das durchliest, wenn man sich damit beschäftigt, dann stellt man schon nach einiger Zeit fest: Es ist Kunst. Erwachsene Kunst aber. Wie auch ein Actionfilm namens "Heat" beispielsweise erwachsene Kunst ist. Und auch als solche anerkannt wird.

Ich möchte mich hier gar nicht länger darüber auslassen. Es ist ein weiterer Artikel geplant. Darüber, was Computerspiele ausmacht. Darüber, wie uninformiert eben auf diesem Gebiet immer noch viel zu viele Instanzen vor sich dahin leben. Der zweite Teil der Ausführungen über Medienkompetenz, die ich Anfang diesen Jahres begonnen habe. Und man möge es mir nachsehen, wenn dieser Artikel vielleicht noch ein wenig auf sich warten lässt. Er ist mir zu wichtig, als dass ich ihn nur "mal eben schnell" schreiben könnte.

Worauf ich heute hinaus möchte, ist Folgendes: Der Bundestag hat nun tatsächlich einen neuen Regierungsentwurf zum Jugendschutz als Gesetz verabschiedet. Es werden in Zukunft nicht mehr nur Gewalt oder Krieg verherrlichende Titel in den Katalog der automatisch indizierten Spiele aufgenommen, sondern auch von Gewalt beherrschte Titel, die besonders realistische Darstellungen selbstzweckhafter Gewalt beinhalten. Die auf den Medien abgedruckten Alterskennzeichnungen der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) müssen zudem vergrößert werden: auf Verpackungen müssen sie mindestens 1200 Quadratmillimeter einnehmen und 250 Quadratmillimeter auf den Trägermedien selbst.

Ich habe es oft genug gesagt und sage es erneut: Jugendschutz ist wichtig. Und ein Spiel wie "GTA IV" gehört tatsächlich nicht in Kinderhände. Aber, ihr lieben Politiker: Glaubt ihr allen Ernstes, dass eine Vergrößerung der Alterskennzeichnung da hilft? Eltern, die bisher nicht darauf geachtet haben, was ihr Kind auf der Konsole oder am Computer spielt, werden das auch in Zukunft keinen Deut mehr tun. Und die Händler sollten auch ohne meilenweit sichtbare Warnzeichen bisher schon immer darauf geachtet haben, an wen sie ein Spiel herausgeben. Die werden da auch in Zukunft drüber hinwegsehen, wenn sie denn wollen. Als zusätzliche Erleuchtung würde ich hierzu äußerst gerne die folgende Studie empfehlen.

Auf die Frage, wie sich minderjährige Kinder "GTA IV" besorgen wollen, antwortete in dieser Umfrage eine sehr große Zahl der befragten Kinder und Jugendlichen entweder: "Meine Mutter und mein Vater sind geschieden, von daher ist es ein Leichtes, einen von den beiden zu überzeugen mir zu kaufen was immer ich haben möchte" oder "Meine Eltern haben nicht den blassesten Schimmer von Computerspielen und USK, wir werden also in den Laden gehen und das Spiel einfach kaufen. Das ist doch überhaupt kein Problem." Im weiter oben verlinkten Artikel zu der Studie heisst es in dem wunderbaren Schlusssatz, dass dies nur ein weiterer Beweis dafür sei, dass der Versuch, Kinder und Jugendliche von verbotenen Videospielen fernzuhalten, in etwa genau so sinnlos sei wie der Versuch, Pudding an einen Baum zu nageln. Das ist doch sehr treffend ausgedrückt.

Nun ja, aber wie gesagt: irgendwann merkt das mal ein Politiker. Kurz nachdem alle Videospieler nach Madagaskar zwangsverfrachtet wurden, in die Verbannung. Kurz danach wahrscheinlich. Da wird dann dieser Politiker kommen und sagen: "Hat schon mal jemand an die Eltern gedacht. An Erziehungsauftrag und so? An Kompetenzbildung? Daran, denen verständlich zu machen, wie sehr heute alles von Medien bestimmt ist? Ihnen einen Einblick zu geben in diese Kultur, die so unglaublich anders ist als noch vor zwanzig Jahren, und die wir doch immer noch verdrängen?" Und dann wird einer der anderen Politiker zu ihm gehen und ihm ins Ohr flüstern: "Weisst du, diese Kultur gefällt uns einfach nicht. Aber deine Idee, die bringt mich auf einen Gedanken. Glaubst du, dass wir auch noch eine Insel finden könnten, auf die wir die Kultur verbannen? Dann hätten wir endlich unsere Ruhe. Ein Idyll wäre das. Wird ja lästig, das Thema."

Aber bis dahin schreibe ich weiter. Obwohl ich langsam müde bin.

07 Mai 2008

Eine Deiner Farben

Vielleicht das schönste je geschriebene deutsche Lied.

05 Mai 2008

Wetten dass ...? (Edition Mai 2008)

Ab Juni bin ich wieder in Deutschland. Das ist nicht mehr lange hin. Und wie immer vor der Reise zu neuen (alten) Ufern: Pläne machen.

  • High-End-Rechner mit bei anderen Leuten Neid auslösendem Monitor kaufen, dafür auch High-End-Beträge an Geld ausgeben
  • das Ganze bei Gelegenheit mit einem HD-Fernseher ergänzen
  • Gitarre spielen lernen
  • mal alle so richtig angenehm überraschen
  • ultrageheimen Weltherrschaftsplan für Blog in Tat umsetzen
  • endlich mal wieder mehr lesen
  • einen einigermaßen trittsicheren Zukunftsplan entwickeln
  • endlich mal mit sich selbst zufrieden sein
  • mal wieder die Tage besser ausnutzen
  • mal eben die große Liebe finden
  • sportlich tätig werden und nicht nur drüber reden
  • endlich kochen lernen, und zwar nicht lala, sondern richtig
So, und jetzt seid ihr dran: was davon werde ich wohl schaffen?

02 Mai 2008

Filmkritik: The Host

Interesse? Alle meine Filmkritiken erreichbar über die Linkleiste

Und du willst ein Monster sein?

"The Host", soviel steht fest, hat der Hype sehr viel geschadet.

Über viele Monate hinweg hörte man an allen Ecken Kritiker und Fans, speziell im Umfeld des aktuellsten Monsterfilms "Cloverfield", darüber philosophieren, wie sehr einem Südkorea doch mit seinem eigenen Monster in "The Host" zeigen würde, wo der wahre Hammer hängt. Als schlicht atemberaubend inszeniert wurde das Viech dabei beschrieben. Auch war zu vernehmen, dass man die Fingernägel in seinen Sessel bohren würde vor lauter Spannung und Angst. Solche Worte haben vor allem eine Wirkung: Sie verpuffen nicht einfach so im Nichts. Sie machen neugierig. Und letzten Endes führen sie bei mir dann eben leider doch zu einer recht großen Enttäuschung.


Nachdem zu Beginn unseres Jahrtausends Amerikaner chemikalischen Müll in den Hangang kippen, bildet sich dadurch im Lauf der Jahre ein wohnwagengroßes Monster, dass eines schönen Tages das erste Mal unter einer Brücke in Seoul gesichtet wird und kurz darauf Zerstörung anrichtet. Dabei schnappt es sich mit einem seiner zahlreichen Tentakel auch die Tochter des Hauptcharakters und wird zunächst für tot gehalten, bis ihr Vater auf einmal einen Anruf erhält, in dem sich, mit sehr verzerrt klingender und schwer zu verstehender Stimme, die Tochter aus einem "sehr großen Abwasserkanal" lebend zurück meldet. Die panische und überforderte südkoreanische Regierung und das U.S.-Militär aber halten ihn gerade fest, aus der Angst um ein Virus, dass das Monster an all jene weiterverbreitet haben könnte, die in seine Nähe gekommen sind. Er also muss mit seiner komplett durchgeknallten, aus äußerst absurden Charakteren bestehenden Familie flüchten und seine Tochter suchen. Dabei wird es Tote geben, die Regierung lässt so schnell nicht locker und das Monster möchte euch gerne mitreden; letzteres sollte man bei einem als Monsterflick kategorisierten Film zumindest vermuten.

Fakt aber ist: Das Monster selbst ist nur zu Beginn des Films und ganz am Ende wirklich prominent in Szene gesetzt. Und viel fataler ist: Von der, in zwischendrin immer wieder eingespielten Nachrichtensendungen stets verkündigten verheerenden Zerstörung, ist dabei nur sehr wenig zu merken. Unzählige Menschenleben soll das Viech ausgelöscht haben; nur sehen tut man davon äußerst wenig. Ein einziges Mal wird "The Host" so in Szene gesetzt, dass ich mich wirklich einmal kurz verjagen konnte, der Rest ist Enttäuschung. Und wieso man sich nun über das Monsterdesign so überaus lobend ausgelassen hat; ich verstehe es nicht. Ein paar Tentakeln, ein bisschen Schleim, beachtliche Größe, ausgeprägtes Kausystem und keinerlei Ahnung wo denn nun eigentlich hinten und vorne ist; zumindest die letzteren drei Merkmale kenne ich auch noch von einem Hund, den ich im Alpenurlaub früher immer Gassi führte. Das ist jetzt nichts, was mich "Innovation, großes Kino" schreien lässt.

Die suboptimalen Leistungen der Schauspieler erleichtern das Eintreten einer Desillusionierung direkt noch. Insbesondere ins Licht zu rücken ist hierbei eine Szene recht zu Beginn des Films, in der die gesamte Famile um ihre vermeintlich tote Tochter trauert: wenn ihr dachtet, ihr wüsstet was Overacting bedeutet, dann irrt ihr euch; ihr wisst es nicht, bevor ihr nicht eben diese Szene gesehen habt. Man kann nun argumentieren, dass das vielleicht schon in die satirische Ebene des Films fallen dürfte; nur: auch die lässt mich kalt. Satire hin und her, und gerade bezüglich der ziellosen Handlungen des Militärs und der Regierung ist diese sicher gewollt: aber gut inszenieren sollte man sie schon können. Bong Joon-Ho kann dies offensichtlich nicht. Etwa eine halbe Stunde vor dem Finale lässt er zwar einen Moment auf den Zuschauer los, der in seiner beklemmenden und autoritätskritischen Atmosphäre durchaus Wirkung entfaltet; aber er wirkt wie ohne Kontext. Hat kein Fundament auf dem er steht. Es ist recht offensichtlich, dass "The Host" viel sein möchte: nicht nur Monsterfilm eben, sondern auch Komödie, Slapstick, Satire und ab und an gar ein wenig Drama. Nichts davon hat ausreichend Zugkraft, um wirklich bedeutend zu wirken. Konfuses Patchwork eben.


Und über die Logik wollen wir mal lieber gleich den Mantel des Schweigens legen. Auch das ist für das Monster ein imageschädigendes Moment, denn: ob man durch eine Aufnahme in das Kausystem des Viechs nun sein Leben aushaucht oder wie durch ein Wunder doch überlebt, macht der Film völlig von der dramaturgischen Wichtigkeit der jeweiligen Personen und späteren Verwicklungen abhängig, es ist eine reine Sache des Zufalls. Mir ist auch deswegen die Anatomie von "The Host" nach zwei Stunden Film immer noch nicht verständlich gewesen; es brüllt, es schleimt, aber: wie tötet es denn bitte? Und wann?

Ein optisch meiner Meinung nach sehr schön gelungenes und angemessen düster wirkendes Finale sowie der recht ansprechende Soundtrack auf der Habenseite kommen letztlich jedenfalls nicht an gegen die Enttäuschungen, die vielleicht einerseits daher besonders hohes Gewicht haben, da ich mir soviel erwartet hatte, die aber anderseits wohl auch sonst nicht von der Hand zu weisen gewesen wären, da "The Host" nunmal einfach eine Mogelpackung ist und in ein paar zu vielen Revieren zu uninspiriert Wilderung betreibt.

Das mag gut gemeint sein. Aber schlecht umgesetzt ist es trotzdem.

29 April 2008

Knurru's gute Stube 07: GTA IV

Neuer Videocast. Jetzt. Hier. Brandneu.

Und an alle, die das Thema "GTA IV" bereits jetzt langweilt: Es geht bei weitem nicht nur darum. Aber es ist der Stein des Anstosses.

Knurru jedenfalls braucht dringends euer Geld euren Rat.



Und falls Interesse besteht: Hier geht es zum Videocast-Archiv.

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