14 Dezember 2009

Filmkritik: Zweiohrküken

Kalauerritt durch Klischeekistan

Immerhin eins kann man Zweiohrküken nicht vorwerfen: nämlich dass er nicht von Anfang an mit offenen Karten spielen würde. Nora Tschirner steigt in der Opening-Sequenz aus einem Kampfjet, bezeichnet sich als selbstbewusste Fra
u und schwärmt anschließend von ihrem Freund Ludo und davon, wie heiß der im Bett ist. Sie erzählt uns auch, dass sie am liebsten den Oralsex mag, und zwar bis zum Schluss, weil Ludo so gut schmeckt. Dann stöhnt sie erst mal ein bisschen rum, bevor sie ihren Overall öffnet und sich darunter nur nackte Haut und Riesenbrüste offenbaren: denn Ludo steht doch so auf Angelina Jolie. Nachdem diese Fake-Hupen ausgiebig der Kamera entgegengewackelt sind, wird Ludo (Til Schweiger) von seiner Freundin Anna (Nora Tschirner) unsanft aus seinem feuchten Traum gerissen, da diese sich darüber beschwert, dass sie ihm schon wieder seine Sachen hinterher räumen muss
.


Willkommen im Beziehungsalltag. Willkommen auch in der Einfallslosigkeit. Zweiohrküken hat das Erbe seines überaus gelungenen Vorgängers Keinohrhasen anzutreten und scheitert dabei in allen Belangen. Die schlüpfrigen Witze sind nicht mehr charmant, sondern (wie schon im Tschirner-Monolog zu Beginn erkennbar) nur noch Krawall und plump. Matthias Schweighöfers Rolle als Ludos bester Freund ist für einige der größten Lacher im gesamten Film zuständig, wirkt aber dennoch verschenkt und erzwungen. Und Alwara Höfels, die in Keinohrhasen noch als beste Freundin von Anna mit Charme überzeugte, ist in Zweiohrküken sogar überhaupt nicht mehr dabei. Da hätte Schweiger mal lieber auf den nur aufgrund des Star-Faktors eingebauten, völlig unnötigen Auftritt von Klitschko und Catterfeld verzichten sollen.

Und die Story? Lässt sich auf einem halben Bierdeckel erzählen. Beziehungsprobleme aus Klischeekistan reichen sich die Klinke in die Hand, Exfreunde und Exfreundinnen betreten die Kampfbahn im denkbar ungünstigsten Moment und Ken Duken trägt zwischenzeitlich eine Riesenpenisprothese mit sich spazieren. Das soll wahrscheinlich witzig sein. Witzig ist es aber leider nur auf der sehr oberflächlichen Peniswitz-Schiene. Das ist es nicht wert, erinnert zu werden: der schreiend komische Oralsexdialog in Keinohrhasen hingegen war es. Schweiger geht mit seinem Sequel in schlicht und ergreifend jeglicher Hinsicht den einfachen Weg. Einfallsreichtum ist Fehlanzeige, Zweiohrküken ist Stangenware.

Wenn man sich von einer deutschen Komödie nicht mehr als ein paar gelungene Lacher erwartet, die nach Sichtung des Films auch direkt wieder vergessen sind, ist Schweigers neue Cashcow zu Weihnachten sicher nicht die schlechteste Wahl. Aber wenn mich die Erinnerung nicht täuscht, habe ich letztes Jahr sogar in 1 ½ Ritter öfter gelacht: den Vergleich lässt man am besten einfach unkommentiert stehen.


Ein guter Soundtrack ist erneut vorhanden (und ebenso erneut werden sich darüber insbesondere One Republic freuen), aber an den herausragenden Soundtrack der ersten Irrungen und Wirrungen um Ludo und Anna anno 2007 kommt er nicht heran. Diese ständigen Vergleiche mit Keinohrhasen aber auch immer. Nur: Damit muss so ein Sequel leben. Zweiohrküken trägt die Last auf den Schultern, sich von seinem Vorgänger abzusetzen. Dessen gar nicht existente Hasenohren aber überschatten jeden Aspekt des Nachfolgers derart deutlich, dass man sich fragen muss: Wieso existiert dieser Film? Wir alle kennen die Antwort. Und obwohl auch ich sie kenne, falle ich voll drauf rein. Well played, Mr. Schweiger.

Nächstens dann Dreiohrschweinchen? Dann aber wieder ohne Narrenfreiheit.

DiRT2 (PC): High-End-Pfützen

Ohne lange Umschweife: ich habe mal wieder ein Video anzubieten. Auf GamersGlobal.de ist es schon zu Beginn dieses Monats erschienen und irgendwie ... Mist, ich habe nicht mal eine billige Ausrede dafür, wieso ich es hier erst so spät veröffentliche.

Rennspiele scheinen es mir trotz meinem absoluten Desinteresse für Autos doch ein wenig angetan zu haben, denn in meinem bisher noch recht spärlichen Porfolio ist DiRT2 nun schon das dritte Spiel des Genres, dass ich ins Rampenlicht zerre. Und meine Fahrkünste haben sich immer noch nicht wirklich verb ... ach, was rede ich? Natürlich alles Absicht.

DiRT2 jedenfalls ist auf dem PC optisch eine absolute Wucht, noch nie hat das Brettern in eine ausgemachte Schlammpfütze so gut ausgesehen. Wer schon eine DX11-Karte in seiner Maschine hat, darf sich außerdem über DX11-Effekte freuen. Dass es die aber gar nicht braucht, um von der Optik aus dem Fahrersitz geblasen zu werden, beweise ich anhand eines Beispielrennens in Marokko unter DX9-Settings. Und kommentiere dazu.


Kommentieren, gutes Stichwort. Your turn. Fire up the comment engine.

13 Dezember 2009

Real Heroes: Tentakelfighters

Bevor das völlig untergeht undso old-school ist, dass ich es hier gar nicht erst mehr tippen brauche: drüben auf GamersGlobal.de gibt es seit geraumer Zeit zwei neue Testartikel von mir. Und wieder mal ist für jeden was dabei.

Wer gerne mit Zombies und way too many Tentakeln auf Tüchfühlung geht (jene Tuchfühlung, die man am besten mit Feuerwaffen durchführt), könnte seine helle Freude mit Resident Evil: The Darkside Chronicles haben: aber an das kürzlich getestete Dead Space Extraction kommt es nicht ran.

Wer hingegen pyromanisch veranlagt ist, vor schlechter Grafik aus längst vergangen geglaubten Zeiten nicht wegrennt oder schlicht und ergreifend einen kleinen Jungen zu Hause sitzen hat, der (wie überraschend aber auch) im Alter von neun Jahren der festen Überzeugung ist, dass er ganz bestimmt mal Feuerwehrmann wird (diese Phase habe ich übrigens nie durchlaufen) ist die Zielgruppe für Real Heroes - Firefighter.

Und weil das schon beim letzten Beitrag dieser Art so spaßig war, lasse ich euch auch jetzt wieder raten, welches Bild euch nach einem beherzten Klick zu welchem Test führt. Nicht einfach dieses Mal, aber: ich habe vollstes Vertrauen in euch.



Beide Spiele sind exklusiv für die Nintendo Wii erschienen.

22 November 2009

For God's sake, dear

Snow Patrol bringen ein neues Album auf den Markt, dass so neu eigentlich gar nicht ist, sondern nur eine Bestandaufnahme des bisherigen Schaffens, inklusive drei brandneuer Songs. Und da ich alle bisherigen Alben besitze, würde ich gerne widerstehen.

Aber scheisse was, wenn mir auch nur noch einen Tag länger die neue Single so permanent in meinen Gehörgängen rumspukt, garantiere ich für keine Zurückhaltung mehr. Dabei ist es echt nicht das beste je von Gary Lightbody gesungene Lied, aber meine Herren: ich sitze trotzdem hier, wippe im Stuhl hin und her (mit dem das eigentlich gar nicht möglich ist) und grinse dumm, während ich zum zehnten Mal in Folge auf Replay klicke.

Leidet bitte mit mir. Solidarität zeigen ist ja eh gerade in. Schönen Sonntag noch.

17 November 2009

Gromit und die Riesenbienen

Eindrücke zu Wallace & Gromit Episode 1: Fright of the Bumblebees (PC/XBox360)

Ich kann noch so lange versuchen, in meiner Erinnerung danach zu kramen, wann mir Wallace & Gromit das erste Mal untergekommen sind: ich komm einfach nicht drauf. Aber es war definitiv in meinen jüngeren Jahren (ja, noch jünger als jetzt) und ich fand es sehr witzig. Zum Fanboy-Dasein hat es aber nie gereicht. Auch den Kinofilm habe ich nie gesehen. Aber als Telltale Games zum 20. Geburtstag von Wallace & Gromit kürzlich die Dreistigkeit besaßen, Wallace & Gromit: The Grand Adventures (ein Adventure in vier Episoden) für umgerechnet 13 Euro anzubieten, konnte ich als alter Adventuresympathisant und Freund von Telltale-Spielen nicht ablehnen.

Das Angebot der vier Episoden für nur 20 Dollar (statt 34,95) scheint übrigens noch immer zu gelten: Adventure-Fans mit Lust auf einen kleinen Snack sollten zuschlagen.

Die erste Episode Fright of the Bumblebees habe ich nun innerhalb von zwei Abenden beendet und bin recht angetan. Der Knetfigurencharme des Originals wurde gut auf den PC übertragen und die gelungene englische Sprachausgabe trägt ihr Übriges dazu bei. Die Geschichte ist auch recht charmant: Wallace willigt ein, Schulden dadurch zu begleichen, innerhalb eines Tages Unmengen an Honig an einen Schuldner zu liefern, mit Hilfe seiner neuen Honigmaschine (die selbstverständlich völlig absurd und fehlgeleitet ist). Um seine antrainierten Bienen aber zur Höchstleistung anzuspornen, braucht er Nahrung, ergo: Blumen. Da die allerdings (was Wallace zunächst schon ein bißchen überrascht) nicht innerhalb eines Tages zu züchten sind, ersinnt er eine Formel für maximales Wachstum. Die erste Hälfte des Spiels bringt man als Spieler damit zu, die Zutaten hierfür zu sammeln. Die zweite Hälfte des Spiels besteht dann darin, die Folgen des maximalen Wachstums zu beseitigen: Der Honig nämlich ist zwar produziert, aber stattdessen verwüsten nun mutierte Riesenbienen das idyllische englische Dorf. How inconvenient!


Die Rätsel können sich sehen lassen, gerade in der zweiten Hälfte. Dort nämlich ist man die meiste Zeit mit Gromit unterwegs, und mit Eintreffen der Riesenbienen werden auch die Aufgabenstellungen einfalls- und abwechslungsreicher als zuvor. Auch die Rätsel, die man mit Wallace bestreitet, sind meist unterhaltsam, aber eines, in dem man einer Kioskverkäuferin mit Hilfe eines Wortbaukastens dabei helfen muss, ihren Mann möglichst effektiv zu beleidigen, ist recht nervig geraten. Gromit, der Hund, ist allerdings nicht nur rätseltechnisch das heimliche Highlight des Spiels. Ausgezeichnet ist Telltale auch die Mimik gelungen: man sieht dem Viech förmlich an, wie es sich fortwährend für die Ausschweifungen seines Herrchen schämt.

Cue in: ein wirklich amüsantes Finalrätsel. Und fertig ist das nette Adventure für zwischendrin, dass das Attribut "nett" gerne tragen darf, ohne dabei gleich die kleine Schwester von ihr wisst schon zu sein. In Anbetracht der Tatsache, dass ich noch drei weitere Episoden vor mir habe und somit für Fright of the Bumblebees nur ungefähr 3,50 € zahlen musste, kann man wirklich nicht behaupten, dass ich Grund zur Enttäuschung hätte. Solide. Wer es unbedingt in Punkten haben will: 7/10.


Naja gut: Major Crum nervt und ist nicht lustig, sondern albern. Auch wenn ich beim besten Willen nicht weiß, ob es den schon immer gab oder ob er für die Spielumsetzung kurzerhand dazu erfunden wurde. Aber herrje: das ist vielleicht auch einfach nur ein bißchen fehlgeleiteter englischer Humor. Oder ich bin schlicht aus dem Alter raus.

Disclaimer: Der Autor dieses Beitrags hat sich mit dem Schreiben desselbigen dazu entschieden, der Ebbe auf diesem Blog temporär damit entgegenzuwirken, einfach mal wieder was zu schreiben. Also nicht wundern und nicht erschrecken: das soll so!

16 November 2009

Dead Rabbids Go Space

Während ich in meinem stillen Kämmerlein von Zeit zu Zeit gerne darüber brüte, wie ich diesem schüchternen Blog hier wieder zu mehr Leben in der Bude verhelfe (und durchaus meine Ideen habe, aber leider nicht die dafür benötigte Zeit), möchte ich euch, anstatt euch weiter mit solch philosophischen Blogfragen zu nerven, auf zwei neue Testartikel verweisen.

Für GamersGlobal habe ich nämlich zwei neue Wii-Reviews geschrieben.

Einer dieser Testartikel beschäftigt sich mit Dead Space: Extraction, einem Railshooter (Schiessen auf Schienen). Von total stumpfen Schießbuden wie House of the Dead (für dass ich bei einem Arcade-Besuch mit einem guten Kumpel mal viel zu viel Geld ausgegeben habe) ist das Spiel aber erfreulicherweise weit entfernt: fast schon ein Must-Have für die Wii.


Vom USK18-Titel hin zu völligem Irrsinn: Rabbids Go Home ist nämlich dermaßen bescheuert und abgefahren, dass in der Entwicklung ganz klar bewusstseinsverändernde Substanzen im Spiel gewesen sein müssen. Machen wir es kurz: Ein klasse Spiel für zwischendurch mit derart übertriebenem Brachialhumor, das man nicht nicht lachen kann.


Per Klick auf die obigen Bilder gelangt ihr zu den jeweiligen vollständigen Tests. Welches Bild zu welchem Spiel gehört, dürfte anhand der Beschreibungen recht leicht zu erraten sein.

04 November 2009

Torchlight: Review (+Video)

Ich hatte in den letzten Tagen viel Spaß mit Torchlight, einem unverblümten Diablo-Klon. Daran unerwartet ist Folgendes: das Klonen funktioniert mehr als gut. Denn hier waren Experten am Werk: Runic Games, der Entwickler des Spiels, setzt sich überwiegend aus Genre-Veteranen, deren Vergangenheit mehr oder weniger von Diablo bestimmt war, zusammen: teilweise waren sie direkt bei Diablo-Entwickler Blizzard angestellt und sammelten dort ihre Erfahrung, teilweise entwarfen sie bereits eigenständig ein Action-RPG.

Für GamersGlobal habe ich einen zweiseitigen Test mitsamt 16-minütigem, kommentiertem Video geschrieben. Als kleinen Vorgeschmack gibt es hier das Video. Die volle Packung und Begründung der sehr guten Wertung 8/10 könnt ihr dann ausführlich hier nachlesen.


Für nur 15,99 € machen Fans des Genres mit Torchlight jedenfalls sicher nichts falsch.

Die Waffen des November

Okay November. Du brauchst gar nicht so zu tun. Ich durchschaue dich.

Das ist nämlich alles Strategie. Ja, sehr wohl. Zum Beispiel dieser Sonnenschein gestern, diese angenehm frische Luft, dieser überaus leckere Tee in der Uni-Cafete. Oder heute zum Beispiel der Gang in die Bibliothek inklusive erfolgreichem Auffinden viererlei Bücher zu einem Thema, bei dem ich bis heute morgen noch wie der Ochs vorm Berge stand.

November, du weisst genau wie ich zu dir stehe. Eigentlich kann deine Ernennung zum offiziellen elften Monat des Jahres nur durch Hochschlafen, Bestechungsgelder und eventuell gar Mord zustande gekommen sein. Du bist düster, klamm und unangenehm. Jon Bon Jovi hätte über dich Folgendes gesungen und damit Recht gehabt: You give autumn a bad name. Ich bin deswegen in den November gegangen, bereit, dir die Schulter zu bieten. In for a fight. Und jetzt säuselst du mich ein, wiegst mich in Sicherheit. Keine schlechte Strategie, wirklich nicht. Du machst nur einen Fehler: du übertreibst.

Denn mit dem 10.11. diesen Jahres trägst du extradick auf. Nicht nur, dass ich die Ehre haben werde, Kettcar live akustisch und mit Unterstützung eines Symphonieorchesters zu erleben, was alleine schon den Monat retten könnte: nein. Zusätzlich dazu richtest du es auch noch ein, dass zeitgleich Dashboard Confessional und Switchfoot ein neues Album und Infinity Ward das lang erwartete und heiß diskutierte Modern Warfare 2 auf den Markt werfen. Das sind vier gute Dinge an einem Tag. Und da soll ich den Braten nicht riechen?

Damit wir uns verstehen, November: Ich traue dir nicht. Aber ich mag die Maske, die du gerade trägst. Sehr sogar. Und in mir ist Hoffnung, dass sie dir festwächst an deiner Fratze.

Ist nicht böse gemeint. Du bist halt so. Es gibt immer ein schwarzes Schaf.

07 Oktober 2009

Knurru zockt: Risen (Demo)

Ich begehe für euch Schiffbruch und lasse euch an meinem daran folgenden Sightseeing teilhaben. Dabei entdecke ich schon innerhalb einer nur sehr kurzen Demoversion meine Liebe für die Gothic-Serie wieder, die mit Risen unter neuem Namen ein Comeback feiert. Ich gebe Viechern volles Pfund aufs Maul, erkunde auch die unwirtlichsten Ecken, koche Brathering, habe ein eher unschönes Treffen mit diebischen Gnomen, laufe aus Geldgier sogar einmal durch Wände hindurch und breche eine Lanze für die Entwickler bei Piranha Bytes, die mit Risen das Gothic 3-Debakel fast schon vergessen machen.


You know the drill. Über Kommentare zum Video freue ich mich, wie immer, sehr.