Denke ich derzeit an Stefan Raab, so muss ich immer ein wenig an den guten alten Herren Eisenbeisser denken, der einst noch Bond das Leben zur Hölle machte und Stahlseile von Seilbahnkabinen durchzubeissen imstande war. Nein, Quatsch, das stimmt natürlich nicht, hört sich aber als Einleitung ja doch irgendwie angemessen an.
Erneut also ein paar lose Gedanken zu "Schlag den Raab", und da muss zunächst mal festgestellt werden: Sooo meilenweit ab vom Fleck ist der Vergleich mit Eisenbeisser nun auch wieder nicht. Weil ja diese Show, wenn mich nun jemand danach fragen würde wieso ich das eigentlich, selbst in fremden Landen, garantiert im Nachhinein anhand der nahezu kompletten Sendung auf der offiziellen Webpräsenz (von den Musikacts abgesehen, aber: püh) verfolge, vor allem deswegen so gut funktioniert, weil es eben wirklich ein Kampf ist. Nicht ein aufgeblasener Sturm im Wasserglas, nicht getragen von einem Herausforderer, dem scheinbar vorher irgendjemand eingeflüstert hat dass das Ziel aber nicht sein könne zu gewinnen und erst recht nicht ansatzweise vergleichbar mit diesen peinlichen sogenannten Wettkampfsendungen, die man halt bisher so kannte; dieser Kram mit Sonja Zietlow auf RTL beispielsweise, von dem ich den Titel aus verständlichen Gründen bereits wieder vergaß, der aber problemlos unter dem Label "D-Promis gegen Otto-Normalbürger-Kindergarten-Plemplem" laufen könnte.
Man mag ja von Herrn Raab auf komödiantischer Ebene halten was man will (nicht anders halte ich es ja schließlich auch), aber wenn er denn mal etwas abseits der normalen "TV Total"-Bahnen tut, dann macht er dabei Nägel mit Köpfen. Wir wollen hier mal lieber nicht über das Turmspringen, die Wok-WM, Stock-Car-Crash-Challenges und all den sonstigen Kram reden, bei dem Sonja Kraus als Kommentatorin auf die Menschheit losgelassen wird und alleine dadurch ja alles nur unansehnlich werden kann (wobei der Kampfgeist eines Raab auch hier schon durchscheint und man ganz sicher nicht sagen kann es sei lieblos und unbedacht inszeniert; nur ist halt die Kraus indiskutabel) , aber wir dürfen gerne reden über Pokernächte, Bowlingturniere und eben "Schlag den Raab". Natürlich könnten wir auch diskutieren über die neueste Castingshow, nur hat das mit sportlichem Wettkampf halt wenig zu tun und fällt daher nicht in den Rahmen dieses Beitrags; so vielversprechend es auch erneut sein mag.
Stefan Raab also beisst. Er gibt alles in wirklich jedem Spiel. Er hat Ehrgeiz wie wohl kaum ein anderer Mensch, der mir derzeit im Showbiz bekannt ist. Er freut sich wenn er gewinnt. Er freut sich teilweise wie bekloppt. Er ist einem auf einmal sehr sympathisch. Liegt es also daran, dass Raab praktisch die Emotionen eines sportlichen Wettkampfs detailgetreu über die Mattscheibe flimmern lässt, liegt es daran dass man sich vielleicht ab und an gar ein wenig fühlt wie beim Spieleabend im eigenen Freundeskreis, Schadenfreude inklusive? Ist es so simpel? Und schaue ich mir das alleine deswegen gerne fünf bis sechs Stunden lang an?
Ja, so ist das wahrscheinlich wirklich. Es würde jedenfalls mit niemand anderem funktionieren als mit Raab. Das könnte sonst keiner. Hätten wahrscheinlich viel zu viele Skrupel, da einem Kandidaten einfach so das leckere Geld wegzunehmen. Was dieser Show den Todesstoß geben würde. Sie kann gedreht werden, wie auch in der neuesten Ausgabe. Nichts ist sicher. Und das nur deswegen, weil zwei Leute idealerweise alles geben. Mit ihrem Schweiß am Ende den Boden wischen können. Und dabei die spannendste Show seit gefühlten Dekaden abliefern.
Nun gibt es ja wieder viele, die sagen dass der Raab doch ein Arsch sei. Der könne ja einfach nicht verlieren, der würde auch gnadenlos bescheissen. Der habe keinerlei Anstand, dem sei doch sowieso nur sein eigenes Ego und sein Image wichtig. Nun ja, ein Messias ist er ganz sicher nicht. Klar prägt diese Show sein Image, klar ist er selbst sein größter Trumpf. Aber wenn man dann direkt mal wieder nur ans Bescheissen denken kann, dann ist man wohl auch in seiner eigenen Freizeit eher ein miserabler Verlierer. Hinschauen auch in der letzten Sendung hilft: Raab akzeptiert Entscheidungen, auch wenn sie gegen ihn gehen. Es bleibt ihm nix über. Das hier ist ein Wettkampf, und er ist nicht der Cäsar, der den Daumen heben oder senken darf. Er steht in seiner eigenen Arena und er wird nichts verschenken. Es heisst "Schlag den Raab", wir reden hier ganz klar nicht von einem Streichelzoo. Deswegen bleibe ich immer wieder dran, bin oft von den nicht selten innovativen und stets abwechslungsreichen, nie aber leichten, Spielen begeistert und wünsche mir eigentlich nur, dass das Maximum an auszutragenden Wettkämpfen in der Sendung ausgetragen werden kann. Mir ist dabei egal, wer gewinnt. Ich habe da nicht die geringsten Präferenzen. Hauptsache Kampf.
"Schlag den Raab" ist wohl der größte Gewinn des deutschen Fernsehens seit sehr vielen Jahren, die erste Samstagabendshow seit dem schon lange arg stagnierenden "Wetten dass ...?" für die man Samstag abends sogar mal freiwillig zu Hause bleibt.
Und das Beste daran: Sonja Kraus ist weit und breit nicht zu sehen.
17 Dezember 2007
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3 Kommentare:
Wo darf ich unterschreiben? Auch und vor allem den letzten Satz... =)
Spaß beiseite, ich habe mir die Show am Samstag zu großen Teilen wieder angeschaut und bin wieder begeistert gewesen. Was sich die Macher -kann nicht beurteilen inwieweit Raab in den Entstehungsprozess involviert war- mit dieser Sendung haben einfallen lassen, ist einfach ein grandioses und perfekt durchdachtes Konzept. Und es wird zudem auch noch hervorragend umgesetzt, indem sich die Redaktion immer wieder tolle Spiele einfallen lässt und dabei eine wunderbare Mischung aus "richtigem" Sport wie Hochsprung, Fun-Geschichten wie das mit dem Bagger und eben Wissensspielen finden. (Und zudem immer mit dem genialen Schachzug, das 15. und letzte Spiel mit Geschicklichkeitsaufgaben entscheiden zu lassen)
Der einzige Kritikpunkt, den ich gegen die Show einwenden würde, sind die ersten ca. 45 Minuten mit der Vorstellung von gleich 5 Kandidaten. Hier würden es drei vielleicht auch tun. Aber gut, ich schalte ohnehin immer erst bewusst um 21 Uhr ein und dann ists okay.
Sehr treffende Analyse. Bin auch ein grosser Fan dieses Formats. Umso betrübter, den letzten Samstag verpasst zu haben. Danke für den Hinweis auf die Internet-Clips. Schaue grade mal rein.
Gerade kam ja erst wieder eine sehr interessante "Schlag den Raab"-Ausgabe und ich kann Dir wirklich nur zustimmen. Die Show ist ein Highlight im deutschen TV - allerdings meiner Meinung nach wirklich nur ohne die langweilige Kandidatenvorstellung und -auswahl und ohne Werbung und Musikacts. Aufnehmen und am Sonntag gucken ist daher meine liebste Art die Sendung zu gucken. :)
Sonya Kraus würde natürlich echt nicht in die Show passen, Elton könnten sie meiner Meinung nach auch ruhig rauslassen. Matthias Opdenhövel macht seine Sache verblüffend gut (hatte wirklich anfangs Bedenken!), die vorbereiteten Gags sitzen meist und er kann auch durchaus spontan reagieren.
Freue mich schon auf die nächste Ausgabe im April... :-)
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