Seien wir doch mal ehrlich: Bevor es nicht einen gescheiten Jahresrückblick zum Gaming-Jahr 2011 gibt, ist das Jahr eigentlich noch gar nicht offiziell vorbei. Was natürlich geschickt wäre, weil dann Ende 2012 faktisch immer noch 2011 wäre und die Maja mal ganz ordentlich gelackmeiert wären mit ihrer Weltuntergangsprophezeiung. Aber herrje: No risk, no fun. Man will ja auch den Kopf frei haben für die ganzen neuen 2012-Spiele. Deswegen schließe ich mich gerne dem Bestreben von Polyneux an, mit dem Polygon 2011 die Lieblingsspiele der deutschsprachigen Spieleblogs zu wählen. Was, nun ja, nicht unbedingt einfach ist.
Denn 2011 war meinem Eindruck nach nicht unbedingt ein schlechtes Spielejahr. Und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werde ich mich in zwei Tagen für meine Liste selbst hassen, da ich doch wieder irgendein Spiel zu nennen vergessen habe.
Es folgen: Meine liebsten Spiele 2011 (ohne Rangordnung, da das so weit oben in meiner Gunst nur schwer machbar wäre), einige Honorable Mentions und eine Guilty Pleasure. Und die appropriately named "Mist, wo bringe ich das noch unter?"-Kategorie. Und ein "Ich habe es euch ja schon immer gesagt"-Einschub. Und das war's dann wirklich. Wirklich?
Polygon 2011: Meine liebsten Spiele des letzten Jahres
- To The Moon: Kein Spiel hat mich 2011 so sehr berührt und so lange nach dem Abspann über seine Botschaft nachdenken lassen wie To The Moon. Dass es dabei fast vergisst, überhaupt noch ein Spiel zu sein, könnte mir kaum egaler sein. Was es nämlich stattdessen ist: Ein Erlebnis. Eine Erinnerung daran, was Spiele bewirken können, wenn sie denn wollen und sich hin und wieder trauen, Neuland zu betreten. Und ein Grund, sich Indie-Spiele zu einem Herzensanliegen zu machen.
- Portal 2: Wie wahnsinnig toll ich das finde, dass Stephen Merchant mit seiner großartigen Verkörperung von Wheatley sogar die Paradevorstellung von GLaDOS übertrifft, das kann ich kaum in Worte fassen. Portal 2 ist Comedy-Gold. Und noch dazu ist es ein fantastisches Spiel mit überwältigender Inszenierung, einem fordernden Koop-Part (speziell der kostenlose DLC), einer simplen, aber wunderbar erzählten Geschichte und einem Finale, an das man sich lange erinnern wird.
- Rift: Eigentlich ist Rift nur ein Best of MMO-Sampler. Allerdings ist es gar nicht mal so einfach, so etwas gescheit zu samplen. Trion Worlds aber gelingt es mit Leichtigkeit. Die Faszination, die ich für Rift schon nach dem ersten Antesten verspürte, hält auch heute noch an. Die Spielwelt ist wunderschön, die Riss-Mechanik ein toller Zeitfresser und die Regelmäßigkeit, mit der die Entwickler ihre Online-Welt mit neuen, kostenlosen Inhalten füllen, beeindruckend. Ich gönne Rift einen langen Atem.
- Bulletstorm: Liebe Entwickler. Was ihr öfter tun könntet: Ein Spiel im Vorfeld als Blutsymphonie betiteln, damit jegliche Vorfreude rauben und dann urplötzlich mit einem Shooter um die Ecke biegen, der nicht nur atemberaubende Panoramen, lange Spielzeit und spaßige Charaktere bietet, sondern außerdem viel mehr ist als ein "Gewalt um der Gewalt willen"-Dreck. Das nämlich sorgt dann für erstaunte Gesichter vor dem Monitor und vielleicht gar für eine Nennung in Top10-Listen.
- Assassin's Creed Brotherhood: Assassin's Creed ist ja für mich ein bißchen so wie Galileo Mystery... nur mit der wohltuenden Erkenntnis, dass Ubisoft sich damit ganz im Gegensatz zu ProSieben nicht ernst nimmt und dass das Spiel außerdem Spaß macht, statt für spontane Gehirnverflüssigung zu sorgen. Und außerdem: Diese Spielwelt. Diese tolle Steuerung. Und nicht zuletzt auch: All dieses Bling-Bling. Diese Flaggen. Diese Schätze. Diese Federn. Es ist alles so unnötig. Ich brauche sie dennoch alle. Ich habe sie alle. Ich kann mir dafür einen Keks kaufen. Ich bin glücklich.
- Skyrim: Weil ich nie dazu komme, das zu tun, was ich eigentlich tun möchte. Weil ich, wenn ich es darauf anlegen wollte, wahrscheinlich einen Monat lang spielen könnte und dennoch immer noch irgendeine (schöne) Ecke finden würde, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Weil es ein ungelogen erhabener Moment war, vor dem Bleak Falls Barrow-Dungeon das erste Mal im Schneesturm auf das lauschig im Tal gelegene Riverwood zu schauen. Skyrim hat absolut überhaupt keinen Pfeil im Knie.
- Driver San Francisco: Ich habe mir von NfS The Run seit der Präsentation auf der E3 2011 einen zumindest kleinen Durchbruch in Sachen Storytelling in Rennspielen gewünscht. Hat nicht geklappt. Macht aber nix. Weil stattdessen Driver San Francisco dieses Kunststück gelungen ist. Die Shift-Mechanik hört sich nur auf dem Papier seltsam an, funktioniert in der Praxis aber super, das Fahrgefühl ist sehr gelungen, die Dialoge teils ernsthaft komisch und die Story zwar nicht unbedingt der Überflieger, aber immerhin... es gibt sie. Sie motiviert zum Weiterspielen. Sie ist kein Fremdschäm-Faktor mehr. Das ist doch ein verdammt guter Anfang.
- Dungeon Defenders: Nichts für Solo-Spieler, aber im Koop-Modus ein großer Spaß. Und außerdem sehr liebevoll designt. Was man spätestens merkt, wenn auf den Burgzinnen einer der späteren Arenen der Wind stärker weht als im durch die Burgmauern geschützten Areal. Mag sich banal anhören, aber: Sowas merkt man. Hinter der knuddeligen Cartoon-Optik des Spiels steckt unverschämt viel Inhalt. Wer Tower Defense auch nur ansatzweise etwas abgewinnen kann, schlägt zu.
- The Legend of Zelda - Ocarina of Time 3D: Mal ganz ohne Nostalgiebrille: Wie fantastisch ist bitte dieses Spiel? Ich habe es schon auf dem N64 geliebt. Und diese Liebe ist auf dem 3DS ganz neu aufgeflammt. Ich war völlig überrascht davon, wie toll das alles auf dem Handheld aussieht, wie gut es sich immer noch spielt, wie schwer ich es aus der Hand legen kann. Ohne Frage: Ocarina of Time is one for the ages!
- Duke Nukem Forever: Kein Tippfehler. Kein Scherz. Ich meine das ernst! Mich hat Duke Nukem Forever super unterhalten. Als Zeitreise durch 14 Jahre Shooter-Design, als Realität gewordener Running Gag, als ohne Frage sperriges, aber dennoch auf ganz eigene Art und Weise charmantes Relikt mag ich es sehr, sehr gern. Die teils vor Fehlinformationen und unbegründetem Hass nur so strotzenden Reviews, die das Spiel in Grund und Boden stampften, waren unfair und leider vorhersehbar. Ich habe dazu an dieser Stelle noch einiges mehr geschrieben... und stehe gerne dazu.
Honorable Mentions 2011
- Trine 2: Weil es so abartig schön ist, dass man es kaum glauben mag.
- Shadows of the Damned: Für die besten Märchenstunden des Jahres.
- Resistance 3: Weil die Waffen so wunderbar vielseitig sind.
- Magicka: Für bestes Koop-Chaos, beste Schadenfreude und lustigste Bugs.
- 10 GBA-Ambassador-Spiele (3DS): Wow, die sind ja echt alle(!) top.
Guilty Pleasure 2011
- Homefront: Es ist ja scheinbar in, das zu hassen. Verstehe ich nicht ganz. Mit der Singleplayer-Kampagne hatte ich relativ großen Spaß. Ich fand das alles sehr schön inszeniert und hin und wieder hat es tatsächlich ein paar Erinnerungen an das Storytelling von Half-Life 2 geweckt. Aber auch wirklich nur hin und wieder. Kein Vergleich. Dennoch: Nicht so schlecht wie sein Ruf. Kann man machen.
"Mist, wo bringe ich das noch unter?" 2011
- Gemini Rue: Ist eventuell das beste Adventure 2011. Ja, doch.
- Bastion: Habe ich noch nicht durch und entschuldige mich dafür.
- Limbo: Ist tatsächlich so gut wie alle sagen. Besonders der Anfang.
- ICO/SotC-Collection: Für größte Vorfreude und größten Steuerungs-Schock.
- Uncharted 3: Als Wow-Moment-Abfolge toll. Als Spiel verbesserungsbedürftig.
Ich habe es euch ja schon immer gesagt 2011
- El Shaddai Ascension of the Metatron: In so ca. drei bis vier Jahren wird das plötzlich jeder ja "schon immer toll gefunden" haben. Fangt doch am besten jetzt schon damit an. Grund genug dazu gäbe es: Weil es nämlich auch jetzt schon zeitlos schön ist. Und weil nebst der tollen Optik auch das Spiel an sich zu unterhalten weiß.
One last thing 2011
- Glitch: Meine Faszination mit diesem im Browser spielbaren F2P-MMO hat zwar nur so ca. drei Tage lang angehalten und flaute dann ab. Aber dennoch möchte ich jedem empfehlen, mal einen Blick in die Glitch-Beta zu wagen. Und sei es nur deshalb, um zu erleben, wie euch ein Spiel dazu zwingt, für das Erfüllen einer Quest drei Minuten zu warten. Einfach nur warten. In einer Behörde. Durch Beamte instruiert.
So, Ende Gelände. Wirklich jetzt. Ohne Mist. Danke fürs Mitlesen.

2 Kommentare:
Ich kann es immer noch nicht so ganz glauben, dass wir schon 2012 haben. Aber auf meiner Liste von 2011 steht Assassin's Creed Brotherhood auch ziemlich weit oben. Ich finde auch den Soundtrack echt super.
Irgendwie ist mir To The Moon bislang in viel zu wenig Polygon Listen aufgetaucht. Schön, dass es bei dir auch ganz oben steht und danke noch einmal für den Tipp. :)
Kann mich dir da nur anschließen.
Ist AC: Brotherhood nicht von letztem Jahr? Dieses Jahr kam doch Revelations.
Und der Duke sei dir erlaubt. Warum auch nicht? Ich konnte nicht mehr ganz die Freude daran finden, die ich mir erhofft hatte, aber dafür habe ich in Bulletstorm Ersatz gefunden.
Trine 2 hätte ich auch noch gerne mit in die Liste genommen, bin aber noch nicht durch. Die Grafik allein ist aber einfach schon zum schönsten was ich jemals gesehen habe.
Bastion wäre bestimmt in deiner Liste gelandet, wenn du es durchgespielt hättest. In jeder Hinsicht großartig. Ich sollte das auch noch mal durchspielen, allein um den überragenden Soundtrack noch einmal im Kontext des Games zu hören.
El Shaddai steht noch auf meiner Liste. Optisch war schon die Demo ein Leckerbissen, aber die Kämpfe fand ich ziemlich abscheulich.
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